Es wird oft unterschieden zwischen Menschenhandel und „freiwilliger Sexarbeit“.
Ich bin freiwillig eingestiegen.
Ich war nicht auf der Straße, nicht im Laufhaus.
Ich habe privat gearbeitet, in Hotels und zuletzt in einer Bordellwohnung.
Und trotzdem gibt es einen Punkt, der alles verbindet.
Der Wert einer Frau wird in der Prostitution daran gemessen, wie sie aussieht.
An ihrem Alter.
An ihrem Körper.
An dem, was man ihre „Qualitäten“ nennt.
Je jünger, je „unverbrauchter“, desto mehr wird bezahlt.
Je älter, je länger dabei, desto weniger.
Das ist kein offizielles System.
Aber es funktioniert überall gleich.
Ich habe mit jüngeren Frauen gearbeitet, die das Doppelte verdient haben.
Nicht, weil sie „besser“ waren.
Sondern weil sie jünger waren oder einem bestimmten Bild entsprochen haben.
Ich habe erst mit Ende 30 angefangen.
Ich habe keine Modelmaße.
Und plötzlich gibt es dieses ungeschriebene Gesetz darüber, was du „wert“ bist.
Meine Preisvorstellung, die für mich einfach nur meine Kosten gedeckt hätte, war für viele
Männer nur dann okay, wenn ich dafür Grenzen verschiebe.
Wenn ich Dinge anbiete, die ich eigentlich nicht wollte.
Zum Beispiel Praktiken ohne Schutz.
Männer suchen sich ganz gezielt Frauen aus, bei denen sie sich sicher sind, mehr zu bekommen
für weniger Geld.
Weil sie wissen, dass diese Frauen gesellschaftlich als „weniger wert“ gelesen werden.
Und das macht etwas mit dir.
Mit deinem Selbstwert.
Mit deinen Grenzen.
Alles andere spielt kaum eine Rolle.
Nicht, was du kannst.
Nicht, wer du bist.
Nicht, was du im Kopf hast.
Ich habe mit Frauen gearbeitet, die hochgebildet waren.
Eine war Professorin.
Männer mit Einfluss haben sich mit ihr gezeigt.
Aber nicht, weil sie sie als Mensch gesehen haben.
Sondern weil sie gut neben ihnen aussah.
Weil sie sie unterhalten konnte.
Weil sie ihr Status war.
Das wird dann als „selbstbestimmt“ oder sogar als „feministisch“ bezeichnet.
Ich frage mich: Wo genau ist da die Augenhöhe?